Familienbesuch in Ghana

Im Juni 2026 war ich für zwei Wochen auf Familienbesuch in Ghana. So hat es sich angefühlt. Drei Stationen hatte meine Reise. Für eine Woche wat ich in der Partnergemeinde in Accra New Town zu Gast, danach war ich in Ho. Dort befindet sich das Landeskirchenamt der Ev.prespyterianischen Kirche, kurz EP Church. Und anschließend habe ich Derek Nyirkplorkpo, unseren ehemaligen Freiwilligen in seiner Heimatstadt Mafi-Kumasi besucht.

 

Nac em ich voriges Jahr für 3 Tage in Accra war, nun eine Woche. Vom Flughafen geht es zur Kirche. Mit Gebet und ghanaischer Begrüßung starten wir. Am nächsten Tag ist Zeit. Ich sitze vor der Kirche auf dem Vorplatz auf einer Bank. Immer wieder kommen Leute, setzen sich, freuen sich, dass ich wieder da bin. Da ist der 87jährige Leiter der Kirchenmusik. Orgel und Klavier spielt er noch und vor allem leitet er den Kirchenchor. Wie so oft in Ghana geht es ohne Noten. Er singt vor, die einzelnen Stimmen singen nach. Er war Konzertmeister im Philharmonie-Orchster Ghanas, Gründungsmitglied. Und er lebt Musik oder sie in ihm. Da ist Kofi Joseph. Er wartet darauf, dass der Konfi-Unterricht beginnt. Er begrüßt mich auf Deutsch. Er ist ein Sprachtalent. Deutsch ist seine vierte Sprache und er fängt gerade an damit. Wir reden über den Konfiunterricht und über Gott. Dass der ihm jeden Tag eine neue Chance gibt. Über Jesus, der Mensch geworden ist und genau weiß, wie es uns geht. Es wird ein seelsorgliches Gespräch bei dem die Rollen verschwimmen. Da ist die togolesische Frau, die kein Englisch kann, sondern nur Französisch oder Ewe. Wir suchen einen Übersetzer. Sie ist zu Besuch. Ihre Schwester ist verstorben. Am Samstag wird sie beerdigt werden. Sie lädt mich ein – und ich werde da sein.

Dann drei Stunden Gottesdienst – Begrüßung, alle 4 Chöre singen, es wird getanzt, gelacht.
Die Zeit ist voller Begegnungen und - man traut mir etwas zu. Am Samstag bei der Beerdigung predige ich kurz. Am Sonntag sind 6 Stunden für zwei Gottesdienste dran. Es ist Abendmahl und Pastor Erzoah, der Gemeindepfarrer ist nicht da. Die diensthabende Kirchenälteste „Master of ceremony“ weist mich ein. Dann – am Dienstag beginnt die Besuchswoche – alle gemeldeten 163 Kranken und Alten werden von 2 Teams besucht. Es wird das Abendmahl gebracht und für alle eine kleine Beihilfe. Dreimal schaue ich zu, die übrigen Abendmahlsbesuche leite ich dann. Ich bemerke schnell, welche Ehre es für mich ist und welche Würdigung es für die Menschen bedeutet, die wir besuchen.
Eine Fülle von Begegnungen und natürlich von alltäglichen Problemen. Die Gemeinde ist eine Personalgemeinde, über die ganze Stadt verstreut. Ich lerne bei den Besuchen die Stadt kennen – vom Slum bis zur Villa. Es fühlt sich an wie Familie.

Irgendwann ist der Besuch vorbei. Ich fahre weiter nach Ho und zu Derek. Neue Begegnungen und neue Erfahrungen, das Familiengefühl bleibt und begleitet mich immer noch, obwohl ich wieder in Detmold bin.
Am Mo., 29.06. steht Accra unter Wasser. Ich bin schon abgereist. Der Klimawandel führt auch dort zu Starkregen. 15 Tote sind es mittlerweile, über tausend zerstörte Wohnungen und Häuser. Eine gesellschatfliche Diskussion über den Umgang mit Müll, der die Kanalisation verstopft und den Regen und die Flut verschlimmert setzt ein. Und das ghanaische Talent zur Selbsthilfe. 

In der Partnergemeinde sind 17 Haushalte betroffen. Auch unsere ehemalige Freiwillige Jacinta Kwao ist betroffen. Hüfthoch stand das Wasser in ihrer Wohnung. Die Kirchengemeinde Detmold-West bildet einen kleinen Unterstützungsfonds für die 17 Familien.Mitllerweile haben wir etwa 600 € weitergegeben.

Maik Fleck

Die Bethel-Gemeinde der EP Church Ghana in Accra Newtown

Die Gemeinde ist 1955 gegründet worden und wächst immer noch. Hatte sie vor fünf Jahren etwa 1200 Gemeindeglieder, sind es momentan etwa 1370: 650 Frauen, 380 Männer und 340 Kinder unter 14 Jahren. Menschen arbeiten im Dienstleistungsbereich – manche selbstständig, manchmal mit eigenem Büro, manchmal ist das Auto gleichzeitig das Büro. Es gibt Gemeindeglieder, die eine eigene kleine Firma haben, Gemeindeglieder, die als Angestellte oder Beamte arbeiten. Das Leben in Accra ist teuer, insbesondere auch der Wohnraum. So arbeiten oft beide Ehepartner. Man unterscheidet zwischen ‚formal‘ and ‚informal‘, wobei ‚informal‘ auf die fehlende soziale und gesundheitliche Absicherung hinweist.

Zur Zeit hat die Gemeinde einen Pfarrer und einen Katechisten als hauptamtliche Mitarbeiter. Der Pfarrer, Rev. Erzoah, ist über den Gemeindedienst hinaus der Seelsorger für die Feuerwehr in Accra. Er nimmt am normalen Dienst der Feuerwehr teil, hält Gottesdienste dort und ist Seelsorger für die Feuerwehrmänner.
Die Leitung der Gemeinde liegt bei den Ältesten. Es sind 33 aktive Älteste, 16 sind im ‚Ruhestand‘, also waren einmal Älteste, wirken aber nicht mehr mit. Die Gemeinde hat eine Vision: die Gemeindeglieder zu befähigen, an Gottes Plan für die Welt mitzuarbeiten – sein Wort auszubreiten und da, wo es dunkel ist, für Licht zu sorgen. Und das ist ganzheitlich gemeint. Es betrifft nicht nur die Spiritualität, sondern auch alle anderen Lebensbereiche. Die Gemeinde will einladend sein, und zwar aktiv auf Menschen zugehen und: „There is space for everyone to reach her and his  potential in the church“, formuliert es ein Ältester.

 

Zugleich ist die Gemeinde in einem Veränderungsprozess. Das Leben in Accra ändert sich gerade und neue Fragen tauchen auf. Die Fragen kommen mir bekannt vor: Was wird aus unseren Alten? In der Großstadt funktioniert der Familienzusammenhalt nicht so wie auf dem Dorf. Wohnraum ist teuer, man kann die alternden Eltern nicht zu sich nehmen. Menschen, die früher als Großeltern eine wichtige Funktion wahrgenommen haben, werden ‚arbeitslos‘. Die Kinder und, wenn es sie gibt Enkel, sind weit weg, am anderen Ende der Stadt. Wie soll Pflege bewältigt werden? Es herrscht Überraschung und Ratlosigkeit, weil das alles bisher Probleme waren, die in der Kirche keine Rolle spielten. Man ging damit nicht raus aus der Familie, nicht in die Kirche. Mühselig beginnen Menschen, so wird mir berichtet, in der Gemeinde zu erzählen, was diese Entwicklung mit ihnen macht: Langeweile, das Gefühl, nicht gebraucht zu werden und nutzlos zu sein, Verlust von Lebensqualität und auch Wut und Trauer. Und: Wie reagiert man als Gemeinde, die ihr gesamtes Gemeindeleben auf den Gottesdienst konzentriert hat. Neue Herausforderungen werden sichtbar, aber noch keine Lösungen.
Und dann: Wo sind die jungen Menschen? Da gibt es Traditionsabbruch. Die jungen Menschen suchen eine andere Spiritualität, manchmal bloß amerikanisch, manchmal charismatisch. Außerdem ziehen sie wegen der Arbeit oft in einen anderen Teil Accras und entwickeln neue kirchliche Bindungen (oder auch nicht…). Wie reagiert man darauf und wie macht man das als einzelne Gemeinde? Und wie kann man mit der Tatsache umgehen, dass es so viele junge Menschen gibt und so viele arbeitslos sind? Wie kann man in einer Kirche, die gemeindlich konzentriert und ausgerichtet ist, gesellschaftliche Verantwortung, Diakonie wahrnehmen? Wer kann Partner sein?
Ich fahre zurück mit den Fragen. Auch mit der Frage an mich: Wie macht ihr das denn? - Sind wir wirklich ein Lernfeld? Ich bin skeptisch. Und zugleich nehme ich die große Fröhlichkeit und Herzlichkeit mit und weiß, dass ich wieder hinfahren werde.

Maik Fleck

Homepage der EP Church Ghana Bethel Congregation
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